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SimCityPlaza.de beim Sim City (2013) Producer Event von EA

Am Dienstag stellte EA in Köln eine Beta-Version des neuen Sim City vor, und als Vertreter von SimCityPlaza und SimForum durfte ich das Spiel knapp 6 Stunden spielen und Fragen an den EA Produzenten Kip Katsarelis stellen.

Es ist wirklich Sim City und es macht Spaß, dieses neue Spiel zu spielen. Viele gewohnte Details bewirkten, dass sich bei mir sofort das typische SimCity Gefühl einstellte. Es ist primär eine sehr detaillierte, tiefgehende Städtebausimulation und lebt von der Dynamik in den entstehenden Städten und der Region. Es ist nichts für Kieselsteinschubser (detailverliebte Perfektionisten), die versuchen, ein schönes, aber im Wesentlichen statisches Bild zu erzeugen. Es ist auch nicht primär ein Verkehrssimulator. Aber auch beim Vorgängerspiel SimCity 4 kam die Vielfältigkeit der Verkehrssysteme erst mit der Erweiterung Rush Hour.

 
Detailreich inzenierte Animation eines Feuerwehreinsatzes


Das Vorgängerspiel SimCity 4 ist ein Offline Single-Player Spiel, in dem der Spieler als Bürgermeister einzelne Städte entwickelt. Die Interaktion aller Städte in der Region ist aber nur sehr unzureichend simuliert. Kip Katsarelis war selbst an der Entwicklung von SimCity 4 beteiligt. Er erklärte, dass für Sim City (2013) versucht wurde, die Stärken dieses Vorgängers möglichst zu erhalten und die Schwächen (beispielsweise bei Tunneln und Brücken) nicht zu wiederholen. Nach zehn Jahren musste das Computerprogramm völlig neu geschrieben werden. In der frühen Konzeptionsphase haben sie in Internetforen kommuniziert um herauszufinden, was die Spieler von einer neuen Sim City Version erwarten.

Aufgrund des Feedbacks wurde Sim City (2013) von Anfang an als Online Multi-Player-Spiel konzeptioniert und so ist es möglich, Regionen und Städte anderer Spieler zu betreten und sie sich anzuschauen. Dies ist einfach toll und macht Spaß. Konnte ich bei SimCity 4 nur Abbildungen aus Städten anderer Spieler betrachten, kann ich nun im Spiel objektiv beurteilen, ob eine andere Stadt wirklich so toll ist oder nur auf den ersten Blick so wirkt. Es gibt Bestenlisten für die Städte mit den meisten Einwohnern und dem meisten Geld. Und auch für Städte mit den gesundesten Sims und für die "grünsten" Städte. Man kann zusammen mit Freunden oder Fremden die Städte einer öffentlichen Region entwickeln und dabei zusammen oder gegeneinander agieren. Ein Hauch von Realpolitik.

Wer das nicht möchte, kann Sim City (2013) auch als Single-Player spielen. Dazu deklariert man seine Region als privat und dann kann niemand hineinschauen. Oder nur ausgewählte Freunde. Einen Sandbox-Modus gibt es auch, bei dem alle Gebäude und einige Cheats verfügbar werden und Desaster nicht zufällig auftreten. Allerdings gibt es dann auch keine Belohnungen, keine Herausforderungen und keinen Zugang zu den Bestenlisten.

Ein Offline Single-Player Modus wurde nicht konzeptioniert. Ich erzählte Kip Katsarelis, dass ich im Urlaub an Regentagen gerne auf meinem Computer spiele und dabei keinen Internetzugang habe. Dieses Argument verstand er, aber er sieht jetzt keine Möglichkeit mehr, den Programmcode entsprechend zu entwirren. Nach Ansicht Vieler ist das Fehlen eines Offline Single-Player Modus der gröbste Designfehler des neuen Spiels, und ich nutzte die Gelegenheit, dies einem EA Produzenten auch so zu sagen.

 
Eine holländische Windmühle auf einer von EA bereitgestellten Abbildung

Sim City (2013) ist ein Origin – Spiel, und wer die Origin-Bedingungen oder den permanenten Onlinezwang nicht akzeptieren kann, wird das Spiel am 7. März, wenn es veröffentlicht wird, nicht spielen können.
Meine Fragen, welche Bandbreite für die Internetverbindung notwendig ist und wie lange sie maximal unterbrochen sein darf, konnte nicht beantwortet werden. Doch letztere Frage wurde ansatzweise beantwortet, als ich an meinem PC etwa 20 Minuten lang keinen Zugang zum Server hatte. Dies war kein Problem, solange ich die Stadt nicht verließ. Wahrscheinlich war ich aus Versehen an das Netzwerkkabel gekommen.
Auf die Frage, was passiert, wenn die Server eines Tages abgeschaltet werden sollten, antwortete Kip Katsarelis, es würde dann sicher eine befriedigende Lösung gefunden werden und wir sollten uns da keine Sorgen machen.

Das Zusammenspiel zwischen Städten in der Region ist im neuen Sim City deutlich besser gelungen. Sehr viele Details liegen der Simulation zugrunde, nicht nur einzelner Städte, sondern mehrerer in einer Region zusammengefasster Städte oder Stadtteile zugrunde. Regionen sind vorgegeben (es gibt kein Terraforming) und eine Region hat bis zu 16 Städte und bis zu vier sogenannte „Great Works“ (wie beispielsweise einem Arcology-Projekt, der Kombination von Architektur und Ökologie). Letzteres konnte ich aus Geldmangel nicht testen.

Die Städte in der Region sind per Fernstraßen oder Autobahn, oft per Eisenbahn und zum Teil durch Fähren miteinander verbunden. Die Stadtkarten sind relativ klein und entsprechen etwa einer kleinen bis mittleren Stadt aus SimCity 4. Vielleicht sollte man Städte als Stadtteile und Regionen als Raum einer Großstadt ansehen. Die Simulation unterstützt dies, denn beispielsweise benötigt nicht jede Stadt Industrie, da die Sims in die benachbarte Stadt zum Arbeiten fahren können.

Straßen können fast beliebig gezogen werden. Dies ist eine großartige Verbesserung gegenüber dem Vorgängerspiel. Feldwege, Straßen und Alleen sind gerade oder kurvig, als Karree, als Bogen oder als Teilkreis ziehbar. Kein Gitter, dass ein orthogonales oder diagonales Ziehen der Straßen erzwingt. Die Lots, auf denen die Gebäude stehen, passen sich automatisch der Straßenkrümmung an. Darum müssen Lotgrenzen flexibel gestaltet sein und dies führt dazu, dass es meist keine abgrenzenden Mauern oder Zäune gibt. Das ist etwas schade, aber technisch kaum anders umzusetzen. An Hügeln kommt es häufig zu graphischen Fehlern ähnlich wie auch bei SimCity 4. Ein wenig ist dies bei dem Bahnhof erkennbar, den ich in meiner Stadt auf geneigtes Gelände setzte.


Es tut mir leid, dass meine eigenen Screenshots keine schöne Stadt zeigen. Mir ging es mehr darum zu testen, was möglich und nicht möglich ist.

Kip Katsarelis erzählte, dass sie sich auch die Produkte der Modding-Community angeschaut haben und tief beeindruckt waren. Sim City (2013) habe Straßenbahnen und Flußfähren, weil ihnen diese im Network Addon Mod (NAM) für SimCity 4 so gut gefallen haben. Bei EA ist man sich bewusst, dass vermutlich nur aufgrund der aktiven Community nach zehn Jahren SimCity 4 noch in den Geschäften steht und Profit bringt. Auch wenn EA heute keinerlei Versprechungen geben kann, bin ich doch relativ zuversichtlich, dass uns eines Tages die Tools gegeben werden, um auch dieses Spiel durch BATs, Lots und Modding zu perfektionieren.

Eines ist klar, EA ging bei der Entwicklung von Sim City (2013) ähnlich wie beim originalen SimCity 4 Kompromisse ein. Man sieht dies sofort beim Anblick mancher Gebäude. Hier besteht Bedarf für Verbesserungen. Manche Gebäude wären beim SFBT nicht durch die Qualitätssicherung gekommen, denn ihre Texturen sind zu sauber oder zu grell und die LODs sind zu einfach ausgeführt. Allerdings gibt es auch eine Reihe toller Gebäude. Wenn ich mir die Originalversion von SimCity 4 anschaue, stelle ich fest, dass auch da nicht alles so war, wie ich es inzwischen aufgrund der Produkte aus der Community gewöhnt bin.

Wenn man weit hineinzoomt, werden Straßenkurven und Gleiskurven durch einzelne Segmente von Geraden angezeigt (beispielweise links vom Bahnhof in obiger Abbildung). Dies gilt auch für Straßen, aber so richtig störte es bei Gleisen der Straßenbahn und Eisenbahn. Ich reklamierte es und hoffentlich tut sich da noch was.

Bei der Beta handelt es sich um die amerikanische Version des Spiels. Alle Straßenmarkierungen sind im amerikanischen Typ angebracht und Ampeln stehen jenseits der Kreuzung. Für Vorbesteller soll es europäische Sets geben, u.a. auch ein deutsches Set mit dem Brandenburger Tor. Weitergehende Informationen waren leider noch nicht verfügbar. Die folgende Abbildung wurde uns von EA bereitgestellt und zeigt einen Turm aus Sevilla.

Die Straßenmarkierungen wurden leider nicht den europäischen Normen angepasst. Positiv gefällt mir der Anschein geschlossener Häuserfronten. In Wirklichkeit erzwingen die flexibel gestalteten Lotgrenzen einen kleinen Abstand zwischen den Gebäuden, doch dieses fällt kaum auf.

Regen und Wind sind sogar Teil der Städtesimulation, denn durch den Regen werden die unterirdischen Wasseradern aufgefüllt. Solaranlagen liefern nachts keinen Strom, und dies verursacht Probleme, wenn keine Speicherkapazitäten im Kraftwerk eingebaut sind. Auch Windräder liefern bei Flaute keinen Strom. Eine Simulation wie in der echten Welt. An den Bäumen in der Natur erkennt man die jeweilige Jahreszeit. Der Lauf der Sonne am Tag und die Beleuchtung durch den Mond nachts werden simuliert. Schnee gibt es nicht. Etwas schade, aber ich wünschte derzeit, es wäre in meiner realen Region Nordhessen genauso.

Die folgende Abbildung zeigt eine Straßenbahn, eine Haltestelle und Gleise inmitten einer Allee. Mit der graphischen Umsetzung bin ich nicht so glücklich, aber hoffentlich wird daran nochmal gebessert. Es gibt auch Straßenbahngleise ohne Straße und innerstädtische Eisenbahnlinien sind anscheinend auch möglich. Letzteres konnte ich nicht testen, da Bahnhöfe recht teuer sind. Mir fehlen Einbahnstraßen, innerstädtische Autobahnen, Hochbahnen und die Vielfalt des NAM. Subways und Monorail fehlen auch.

Man kann man seine Stadt spezialisieren. Man kann reine Wohnorte erstellen und die Bevölkerung in reinen Industriestädten arbeiten lassen. Man kann eine Stadt auch zu einer Handelsstadt, einer Kulturstadt, einer Elektronik-Kommunikationsstadt, einer Eisenerz produzierenden Stadt oder zu einem Öl-Imperium entwickeln und bekommt hierfür zusätzliche Bauwerke und Entwicklungsoptionen. So ergeben sich viele Möglichkeiten und das Spiel wird bereichert.


Unter meiner Stadt fand ich Öl und hatte danach keine Energiesorgen mehr in meiner Stadt.

Nach meiner Ansicht werden Screenshots der Komplexität von Sim City (2013) nicht gerecht und ich rate davon ab, einzelne Screenshots zu sehr im Detail zu diskutieren. Die Komplexität der Spielesimulation zeigt sich beispielsweise beim Aufruf spezieller Karten. In der folgenden Karte ist die Zufriedenheit der Sims meiner Stadt abzulesen, und die Box "All Data Maps" unten rechts gibt eine Idee über weitere Karten, deren Parameter simuliert werden.

Die im Screenshot oben monierte Luftverschmutzung kommt aus einer Stadt, die ein anderer Spieler in meiner öffentlichen Region erstellte.

Das neue Sim City (2013) fühlt sich an wie Sim City und es machte mir Spaß, es zu spielen. Man spürt, dass Entwickler mitgearbeitet haben, die auch bei SimCity 4 dabei waren. Das Spiel ist zu komplex um perfekt zu sein, und es kann nicht den Ansprüchen jedes Spielers gerecht werden, denn diese sind höchst unterschiedlich. Aber es ist ein guter Neuanfang der Sim City Serie.

Es war zu früh zu fragen, ob es zukünftige Add-ons geben wird. Dies wird sicher vom Verkaufserfolg abhängen. Wer sich für weitere Details des neuen Sim City (2013) interessiert, sollte in den nächsten Tagen im SimForum und auf der SimCityPlaza vorbeischauen.