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Als Will Wright 1989 erstmals einen Stadtaufbausimulator entwickelte, wollte keiner so richtig an den Erfolg des komplett neuen Spielprinzips glauben. Mittlerweile ist SimCity Kult! Nun steht bereits der vierte Ableger der erfolgreichen Reihe in den Läden. Und auch SimCity4 musste einige Kritik über sich ergehen lassen. Zu wenig Neuerungen, hohe Hardwareanforderungen und ein völlig überzogener Schwierigkeitsgrad. Nach etlichen durchgespielten Nächten, Unmengen an hochgezogenen Städten und einer immensen Schar an zufriedenen Sims haben wir eine andere Meinung dazu. Auf den folgenden Seiten zeigen wir, warum SimCity4 - trotz einiger Schwächen - ein must have für jeden SimFan sein sollte.

Never change a winning game

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Schaffe, schaffe Häusle baue. Natürlich wird auch im vierten SimCity-Ableger das altbewährte Spielprinzip beibehalten. Man beginnt auf einer riesigen Regionsübersicht, wo du dir ein Gebiet aussuchen kannst. Dort wird der Grundstein für ein kleines beschauliches Dorf gelegt, aus welcher du im Laufe der Zeit schließlich eine imposante Metropole formen sollst. Doch der Weg dahin ist lang und erfordert einiges an Geschick. Nur wenn du dich als fähiger Bürgermeister erweist, werden die Sims glücklich und zufrieden in deiner Stadt der Träume wohnen wollen. Andernfalls sind sie schneller mit dem Umzugskoffern in der Hand, als Dir lieb ist.

 

 Eigene Landschaften selbstgemacht

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Doch eins nach dem anderen. Bevor nörgelnde Sims, endlose Autoschlangen und gigantische Wolkenkratzer Deine Stadt bevölkern, gilt es zunächst einmal, die natürlichen Gegebenheiten deinen Wünschen anzupassen. Dazu stellt Maxis den Spielern einen umfangreichen Geländeeditor zur Verfügung. Aus dem Nichts erhebst du damit Gebirgsketten, Canyons oder kleine Hügel. Ebenso lassen sich Täler, Seen und Flüsse erschaffen. Mit weiteren Tools wird dann schließlich jahrhundertelange Erosion simuliert oder die Kanten des Terrains geglättet. Und schon hast Du binnen weniger Minuten eine Landschaft gezaubert, welche jeden Hobbygeographen ins pure Staunen versetzen dürfte. Zwar bedarf es einiger Einarbeitungszeit, aber recht schnell hat man Dreh dabei raus. Maxis hat in Sachen Terraforming ganze Arbeit geleistet!

Lediglich einen kleinen Kritikpunkt gibt es. So lassen sich keine Zufallslandschaften erzeugen. Bei jeder neuen Stadtgründung muss man zu Beginn also erst einmal selbst die nötigen Handgriffe erledigen. Denn - im Gegensatz zum Vorgänger - macht in SimCity4 das Spielen auf komplett ebenem Terrain nur halb soviel Spaß. Fans, welche trotzdem gleich drauflos bürgermeistern wollen, finden aber im weltweiten Netz eine umfangreiche Ansammlung vorgefertigter Terrains zur Verfügung (Beispielsweise auf Simtropolis oder sc4devotion - beide Seiten erfordern eine Registrierung).

 


Gründung der Stadt

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Dann geht’s richtig los. Du baust ein Kraftwerk, verlegst ein paar Straßen, platzierst Zonen und sorgst für die nötige Wasserversorgung. Dann wird die Uhr eine Weile laufen gelassen und schon ziehen die ersten Sims in deine neue Stadt. Fans der Vorgänger werden sich sofort wieder heimisch fühlen. Doch wer gibt sich schon mit einem einfachen kleinen Dorf zufrieden? Also muss weiter expandiert werden. Ein stumpfes Hochziehen von Städten ist in SimCity4 jedoch nicht möglich. Denn relativ schnell wird klar, dass die Sims da auch noch etwas mitzureden haben.

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Schulen werden gefordert. Immerhin soll die Bevölkerung nicht dumm sterben. Ebenso ist eine medizinische Grundversorgung in Form von Hospitälern nötig. Brände und Kriminalität möchten bekämpft werden, was wiederum Feuerwehren und Polizeistationen erforderlich macht. Parks, Plätze, Freizeiteinrichtungen und ähnliches dürfen natürlich auch nicht fehlen. Und schließlich wäre es wünschenswert, wenn der Müll ordentlich entsorgt wird und sich nicht auf den Straßen türmt. Alles Dinge, um welche sich ein guter Bürgermeister kümmern muss. Andernfalls werden die Sims ihre Konsequenzen daraus ziehen und schnellstmöglich wieder verschwinden.

Das liebe Geld

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Wo daran jetzt die Schwierigkeit liegt, mag auf den ersten Blick nicht ganz klar sein. Immerhin kannst Du ja aufgrund des großzügigen Startkapitals entsprechende Einrichtungen ohne Probleme in die Landschaft setzen. Spätestens aber nach der Monatsabrechnung wird das eigentliche Dilemma deutlich. Jede öffentliche Einrichtung kostet monatlich ein Heidengeld. Die Rechnung dafür geht natürlich umgehend an deine Adresse. Geht dabei der Überblick verloren, rauschst Du mitsamt deiner Stadt ziemlich schnell in die Miesen. Kalkulieren ist also angesagt. Wenn eine Einrichtung mehr Geld erhält, als sie eigentlich benötigt, sollte gnadenlos der Rotstift angesetzt werden. Auf der anderen Seite führen drastische Kürzungen zu Unmut, Ärger und letztendlich Streiks und Demonstrationen.


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Dadurch wird SimCity insbesondere für Anfänger zur echten Geduldsprobe. Gerade zu Beginn mag es nicht ganz einfach sein, den gesunden Mittelweg zwischen Einnahmen und Ausgaben zu finden. Mit der Zeit entwickelt sich aber ein Gespür dafür, wie man seine Stadt durch die schwere Anfangsphase bringt. Dadurch wird der Spieler trotz einiger Fruststellen immer wieder motiviert weiterzuspielen. Und wurde der break even schließlich endlich erreicht, ist die Freude doppelt so groß.

 


 Auf das die Stadt erblüht

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Doch wer meint, nach der Startphase nun endlich in Ruhe expandieren zu können, liegt falsch. Ganz im Gegensatz zu den Vorgängern bleibt SimCity4 auch im späteren Spielverlauf fordernd. Der höhere Schwierigkeitsgrad ist dabei aber nicht einfach nur eine Laune von den Entwicklern. Vielmehr hat er seinen Ursprung darin, dass in SimCity4 nahezu jedes Detail mit erstaunlich realistischen Methoden berechnet wird. Wo gibt es denn auch auf der Welt eine Stadt, welcher nach der Gründungphase das Geld hinterher geworfen wurde? Oder welche sich innerhalb weniger Jahre zur Metropole mauserte? So musst du auch im weiteren Verlauf des Spiels, deine Künste als fähiger Bürgermeister unter Beweis stellen.

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Die neuen Simulationen spiegeln sich dabei in fast allen Bereichen des öffentlichen Lebens deiner virtuellen Stadt wieder. So haben zum Beispiel Schulen und Krankenhäuser ab sofort nur noch ein begrenztes Einzugsgebiet. Herrscht in der Stadt ein Bildungsmangel, reicht ein wahlloses Plazieren einer neuen Schule à la SimCity3000 längst nicht mehr aus. Vielmehr noch: So gilt es auch die Art der Bildungseinrichtung den Bedürfnissen und sozialen Vorraussetzungen deiner Sims anzupassen. In einfachen Arbeitervierteln reicht für gewöhnlich eine normale Schule. Spätestens aber wenn auch gebildete Sims deine Stadt beleben sollen, wirst du um den Bau von Hochschulen, Bibliotheken oder Museen nicht umherkommen. Analog dazu verhält es sich auch mit dem Gesundheits- oder Sicherheitssystem. Wohlhabende Sims, welche reichlich Geld in die Stadtkassen spülen, kommen nur, wenn du für die entsprechenden Gegebenheiten sorgst.

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Doch nicht nur bei den Grundbedürfnissen unterscheiden sich die einzelnen Bevölkerungsschichten deiner Stadt. Auch darüber hinaus gibt es unterschiedliche Interessen. Begnügen sich die einfachen Leute noch mit einem normalen Sportgelände, muss es für die Schickimicki-Gesellschaft schon ein nobles Golfresort sein. Und da Du in fast jeder Stadt alle Bevölkerungsschichten (sowohl die ärmeren als auch die reicheren) antreffen wirst, heißt es gut taktieren um möglichst allen Bedürfnissen und Anforderungen gerecht zu werden. Ein Punkt, welcher viel deutlicher als bei den Vorgängern ausgeprägt wurde und sich nicht nur auf diese Beispiele beschränkt, sondern wie ein roter Faden durch das ganze Spiel läuft.

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So besteht die Hauptaufgabe des Spiels gar nicht so häufig darin, neue Gebiete aus dem Boden zu stampfen, sondern vielmehr die bestehende Stadt weiter zu optimieren. Der Aufbau einer großen Metropole geht dadurch viel langsamer vonstatten als man es bisher gewohnt war. Ein Aspekt, der dem Spielspaß aber keinen Abbruch bringt.

Kleine Helfershelfer

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Um bei der Vielfalt der Aufgaben nicht den Überblick zu verlieren stehen dem gestressten Bürgermeister natürlich auch im vierten Teil der SimCity Reihe umfangreiche Statistiken zur Verfügung. Damit lassen sich viele Punkte der Stadtentwicklung nachvollziehen und eventuelle Schwachstellen schneller finden. Ebenso gibt es auch wieder die bekannten Berater, welche allerdings nur selten eine echte Hilfe sind. Und wem das immer noch nicht reicht, kann mit dem ‚Mein Sim’ Feature eigene Sims in die Stadt einziehen lassen und von ihm schließlich weiteres Feedback erhalten. Wirklich spielentscheidend ist dieses Feature zwar nicht, aber es ist ganz interessant, das Leben eines Einwohners hautnah miterleben zu können.

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Bedauerlich ist allerdings, dass sich dabei einige Bugs eingeschummelt haben. So kommt es vor, dass die Statistiken zum Teil abenteuerliche Zahlen anzeigen, ohne dass sich solche Entwicklungen in der Stadt selbst beobachten lassen. Selbst vor Systemabstürzen ist das Spiel nicht vollends gefeit. Ein Patch, der diese Fehler behebt ist daher unbedingt erforderlich.


SimNation selbst gestalten

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Verlässt man schließlich seine Stadt und kehrt zurück zur Übersicht, wird ein weiteres Feature des neuen Spiels deutlich. So ist jede Stadt lediglich ein Teil einer großen Region, welche als Einheit gilt. Ohne Probleme lässt sich so zu bereits existierenden Städten eine Nachbarstadt gründen. Diese stehen dann, sofern entsprechende Verknüpfungen angelegt wurden, miteinander in Kontakt. Dabei beschränkt sich das diesmal nicht nur auf die bekannten Handelsabkommen über Müll, Strom, Wasser u.ä., sondern die einzelnen Städte beeinflussen sich erstmals auch gegenseitig in ihrer Entwicklung.

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So ist es möglich, dass die Sims in einer Stadt wohnen, aber täglich in eine andere pendeln, um dort ihrer Arbeit nachzugehen. Ganze Industriezweige lassen sich so zum Beispiel in benachbarte Regionen verlegen. Ebenso ist nun das Errichten von kleinen beschaulichen Vororten in der Nähe einer großen Finanzmetropole kein Problem mehr. Möglichkeiten gibt es viele. Ebenso genug Raum um alle jene zu verwirklichen. Bis eine der riesigen Regionen vollgebaut wurde, vergehen locker Wochen, wenn nicht gar Monate.

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Zumal hinter dem Regionsprinzip auch mehr steckt, als man gerade zu Beginn vermuten würde. Teure Anschaffungen, wie zum Beispiel Flug- oder Seehäfen haben gleich Einfluss auf mehrere Städte. Der Tourismus erhöht sich, je größer die Region insgesamt wächst. Und erstmals wird auch die Autobahn ihrem eigentlichem Zweck gerecht. So eignet sie sich als idealer Transportweg, um benachbarte Städte miteinander zu verknüpfen. Insgesamt gesehen eine absolut sinnvolle Erweiterung des Spielprinzips, hinter der sich eine Menge Potenzial verbirgt. Dadurch bleibt SimCity4 auch nach der ersten Stadt noch spannend. Und es ist interessant zu schauen, wie sie die einzelnen Städte gegenseitig beeinflussen.


Grafikwunder

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Gönnt man sich nach all der Verantwortung schließlich mal eine Pause, lohnt sich ein Blick auf die geniale Grafik, in welcher die eigene Stadt erstrahlt. Maxis setzt hier Maßstäbe! Noch nie zuvor gab es ein Aufbauspiel, welches eine Detailfülle dieser Art an den Tag legte. Egal wohin man schaut beobachtet man buntes Treiben. Staus in befahrenen Straßen, Fußballspiele im Stadion und Kinder beim Spielen auf der Straße kennt man ja schon aus SimCity3000. Abgesehen davon, dass diese Animationen im Nachfolger noch viel lebendiger rüberkommen, geht man zudem noch einen Schritt weiter.

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Nahezu jedes noch so kleine Detail wird ausgeschmückt. Sims, welche sich am Strand amüsieren, auf Shoppingtour sind, im Park ihren Hund ausführen, sich mit anderen unterhalten, ihren Garten pflegen und, und, und. Selbst Graffitis oder gar Verbrechensschauplätze und Ähnliches tauchen immer wieder zwischen den Häuserschluchten auf. Am 31.10. - pünktlich zu Halloween also - steigen Gespenster aus dem Friedhof. Jedes neue Jahr wird mit einem Feuerwerk begrüßt. Die Liste ließe sich noch seitenlang fortführen. Man kann Stunden damit verbringen, einfach nur die Grafik zu bewundern. Und das Beste: Man entdeckt - selbst nach Wochen - immer wieder neue Details.

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Besonderes Gimmick dabei ist, dass hier sogar stets ein permanenter Tagesablauf simuliert und schließlich auch dargestellt wird. So findet sich zum Beispiel um 6 Uhr morgens kein Sim am Strand. Dafür ist dort gegen Mittag Bambule angesagt. Gleiches gilt auch für die Aktivitäten der Sims in Parks, Einkaufspassagen usw. Ausgeschmückt wird dies dann schließlich noch durch einen überwältigenden Tag-/Nachtwechsel. Erstmals können Fans damit ihre eigene Stadt auch unter Laternenlicht und leuchtender Werbereklame bestaunen. Spielerisch hat dies zwar keine Auswirkung, aber das Auge bekommt reichlich zu sehen.

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Viel entscheidender ist die Grafikdarstellung aber natürlich bei Dingen wie zum Beispiel der Rush Hour. Wenn sich eine riesige Blechlawine über eine Straße quält, sollte man ernsthaft überlegen, ob die Stadt hier nicht ein kleines Verkehrsproblem hat. Diese Art des visuellen Feedbacks findet man im Übrigen an allen möglichen Stellen der Stadt. Wann immer etwas nicht stimmt, erkennt man dies unter anderem auch an den Veränderungen im Stadtbild. Damit ist die Grafik also nicht nur ein kleines Schmankerl für Fans, sondern erfüllt auch gleich einen nicht unerheblichen Zweck.

Ein kleiner Wermutstropfen bleibt aber. So frisst SimCity4 aufgrund der grandiosen Grafik regelrecht an der Rechenleistung. Das macht insbesondere etwas ältere Computer schwer zu schaffen. Knackpunkt ist dabei vor allen Dingen der Arbeitsspeicher. Neuere Modelle sollten aber kein Problem damit haben. Lediglich mit gelegentlichen Rucklern muss man rechnen. Wie flüssig das Spiel bei verschiedenen Konfigurationen läuft, könnt ihr im Übrigen in unserem Hardwaretest, welcher zusammen mit einigen Fans durchgeführt wurde überprüfen (zu finden auf dieser Seite ).

Musik

Bei der musikalischen Gestaltung bleibt sich Maxis aber weiter treu. So kommt auch die vierte Version des Stadtaufbausimulators mit wenig ansprechendem Gedudel daher, welches einem spätestens nach ein paar Spielstunden den Nerv raubt. Aber immerhin kann man jetzt optional auch eigene mp3’s importieren und vom Spiel laufen lassen. Maxis hat vermutlich in den letzten Jahren gemerkt, dass die SimCity-Musikstücke noch nie gut ankamen. ;)


Fazit

Keine Frage, SimCity4 gehört in die Sammlung eines jeden SimFans. Maxis hat das etablierte Spielprinzip sinnvoll mit allerlei neuen und sinnvollen Features erweitert, ohne dabei etwas vom Flair des Spiels preiszugeben. Dem Fan stehen viel mehr Möglichkeiten zur Verfügung, die Stadt seiner Träume zu bauen, als das bei den Vorgängern der Fall war. Insbesondere das Regionsprinzip trägt dazu bei und fördert die Langzeitmotivation. Erst wenn man aus der Region eine pulsierende Metropole mit schicken Vororten gemacht hat, wird man zufrieden sein.

Der Schwierigkeitsgrad mag dagegen Fans gerade zu Beginn ziemlich zu schaffen machen. Doch wer das Prinzip erkennt und ein Gespür für die Abläufe einer Stadt entwickelt, wird auch zu seinen Erfolgen kommen. So gibt es ohne Zweifel einige ziemlich herbe Fruststellen. Aber man ist trotzdem immer wieder motiviert weiterzumachen und es noch mal zu probieren. Irgendwann kommt man schließlich hinter das Geheimnis.

Schade sind nur Probleme mit der Performance. So schön die Grafik auch ist, mit schwächeren Rechnern wird dessen Darstellung aufgrund der starken Ruckler doch zur Nervensache. Ebenso fallen nicht gerade wenige Bugs störend auf. In diesem Punkt hoffen wir aber auf Abhilfe durch einen Patch.

Ansonsten liefert Maxis hier aber ein grandioses Spiel ab, welches die SimCity Reihe würdig weiterführt. Für Fans ein absoluter Pflichtkauf. Für alle anderen sehr empfehlenswert.

Eure Meinung?

Eigene Eindrücke und Meinungen zu SimCity4 könnt ihr gerne im SimForum posten, wo Ihr Euch auch mit Gleichgesinnten darüber austauschen könnt. ;)